Distanz­zo­nen – eine Arm­län­ge Abstand!

Distanzzonen

Distanz­zo­nen – eine Arm­län­ge Abstand!

Kein Zitat ist für mich als Kör­per­spra­che Exper­te sinn­lo­ser, als jenes von der Köl­ner Ober­bür­ger­meis­te­rin Hen­ri­et­te Reker. Zum Selbst­schutz sol­le man immer “eine Arm­län­ge Abstand” hal­ten. Dabei bezog sich die Köl­ne­rin auf den Vor­fall an Sil­ves­ter, bei den meh­re­re Frau­en durch frem­de Män­ner beläs­tigt wur­den. Doch wie sinn­voll ist die­se Arm­län­ge Abstand? In die­sem Bei­trag spre­chen wir über die ver­schie­de­nen Distanz­zo­nen – den Frei­raum den Men­schen benö­ti­gen. Erforscht wur­den die­se soge­nann­ten Distanz­zo­nen übri­gens von Edward T. Hall.

Was pas­siert, wenn wir die­se Distanz­zo­nen über­schrei­ten?

Das hängt stark von der Per­son ab! Wun­dert Dich die­se Aus­sa­ge? Du hast ein ganz ande­res Gefühl von Distanz als ich – da bin ich mir sicher. Des­halb wäre es fatal, wenn ich Dir hier Rat­schlä­ge gebe, wie Nah du an eine ande­re Per­son ran darfst. In mei­nem Bei­trags­bild siehst Du unge­fäh­re Meter anga­ben, an denen Du Dich ori­en­tie­ren kannst. Aber auf­ge­passt: Über­schrei­test Du eine Distanz­zo­ne und hältst nicht genü­gend Abstand, dann wirkt das nicht nur auf­dring­lich son­dern auch bedroh­lich.

Über­schrei­tet jemand – unbe­rech­tigt – die Distanz­zo­ne, dann tre­ten bei der betrof­fe­nen Per­son unan­ge­neh­me Reak­tio­nen auf. Du wirst kör­per­sprach­li­che Anzei­chen von Stress, Ner­vo­si­tät und sogar Angst wahr­neh­men. Des­halb ver­mei­de unbe­dingt die Ver­let­zung der Distanz­zo­nen Dei­nes Gesprächs­part­ners. Am Ende des Bei­trags gebe ich Dir aber ger­ne einen Tipp, wie Du takt­voll her­aus­fin­dest, ob Du näher kom­men darfst oder lie­ber Abstand hal­ten soll­test.

Inti­me Distanz­zo­ne (0- 60 Zen­ti­me­ter)

In die inti­me Distanz­zo­ne las­sen wir nur sehr sehr eng ver­trau­te Per­so­nen. Die Intim­sphä­re beginnt bei 0 Zen­ti­me­ter und endet bei ca. 60 Zen­ti­me­ter. Kommt uns hier jemand zu nahe, dann reagie­ren wir kör­per­sprach­lich mit Zei­chen von Stress, Angst und Bedro­hung. In der inti­men Distanz­zo­ne ist meist nur Platz für den Part­ner oder die Part­ne­rin, für die Eltern und sehr enge Fami­li­en­mit­glie­der wie Bru­der und Schwes­ter.

Es kommt natür­lich durch­aus vor, dass zum Bei­spiel zur Begrü­ßung kurz in die inti­me Distanz­zo­ne ein­ge­tre­ten wird. Das kann je nach Ver­hält­nis auch völ­lig in Ord­nung sein. Doch in der Regel wird dann der Abstand der per­sön­li­chen Zone ein­ge­nom­men.

Per­sön­li­che Distanz­zo­ne (0,6 – 1,2 meter)

Die per­sön­li­che Distanz­zo­ne liegt zwi­schen 60 Zen­ti­me­ter und 1,20 Meter. Die­se Zone ist den Bekann­ten, Ver­wand­ten und Freun­den vor­be­hal­ten. Die­ser Abstand ist meist genau eine Arm­län­ge. Die­se Arm­län­ge Abstand reicht genau aus, um jemand ande­ren zu begrü­ßen. Genau des­halb fin­de ich die Aus­sa­ge der Köl­ner Ober­bür­ger­meis­te­rin so schwach­sin­nig. Es ist ein völ­lig auto­ma­ti­scher Pro­zess. Da muss nie­mand aktiv drü­ber nach­den­ken. Es pas­siert sowie­so. Nur lei­der bie­tet das kei­nen Schutz. Wie auch bei ande­ren Distanz­zo­nen, wird auch hier die Pri­vat­sphä­re oft miss­ach­tet.

Über­schrei­tet jemand die Distanz­zo­ne, dann muss dies nicht unbe­dingt mit einer bösen Absicht gesche­hen. Wei­ter unten gehe ich noch­mal genau­er dar­auf ein.

Sozia­le Distanz­zo­ne (1,2 – 3,6 Meter)

Die sozia­le Distanz­zo­ne liegt zwi­schen 1,20 und 3,60 Meter. Die­ser Abstand ist für uns völ­lig ok, wenn wir in gro­ßen Men­schen­men­gen, am Bahn­hof oder in den öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln unter­wegs sind. Tat­säch­lich sieht die Pra­xis etwas anders aus. Oft ist man gera­de im Bus, im Zug oder in der U‑Bahn extrem eng anein­an­der. Auch bei der War­te­schlan­ge an der Kas­se kann der Abstand von der per­sön­li­chen sogar bis zur inti­men Distanz­zo­ne gehen.

Die Kör­per­spra­che ver­än­dert sich in den Distanz­zo­nen je nach Kon­text. Viel­leicht hast Du es schon oft beob­ach­tet. Eine Frau geht einem Mann aus dem Weg, weil er anschei­nend zu nah ist. Im glei­chen Atem­zug steht die sel­be Frau an der Kas­se. Hin­ter ihr ein ande­rer Mann, der viel­leicht sogar noch weni­ger Abstand hält. Aber kei­ne Reak­ti­on von ihr. Das hat nichts damit zu tun, dass sie den ande­ren attrak­ti­ver fin­det. Der Kon­text ist hier ent­schei­dend.

Fährst Du oft mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln? Wenn ja, dann bist Du schon “abge­här­tet”. Du reagierst in die­sem Kon­text (öffent­li­ches Ver­kehrs­mit­tel) nicht ganz so stark. Das glei­che Prin­zip kannst Du auf alle ande­ren Situa­tio­nen über­tra­gen. Was sich jedoch auf kei­nen Fall ver­än­dert ist die Kör­per­spra­che. Man wird es Dir bzw. Dei­ner Kör­per­spra­che anmer­ken, wenn jemand unbe­rech­tigt in eine Dei­ner Distanz­zo­nen ein­dringt. Du wirst es nicht ver­ber­gen kön­nen.

Öffent­li­che Distanz­zo­ne (3,6 – 12 Meter)

Wir bewer­ten stän­dig. So bewer­ten wir per­ma­nent Men­schen in der öffent­li­chen Distanz­zo­ne. Dies geht inner­halb von drei Sekun­den. Aus­schlag­ge­ben­de Kri­te­ri­en sind: Gefährlich/Ungefährlich & Sympathisch/Unsympathisch. Je nach­dem mei­den wir Per­so­nen und lau­fen even­tu­ell um die Per­so­nen her­um oder wir hal­ten unse­ren Kurs und gehen viel­leicht sogar etwas näher an der Per­son vor­bei. Beson­ders gut konn­te ich das bis jetzt bei schwan­ge­ren Frau­en beob­ach­ten. Unbe­wusst wol­len die­se nicht nur sich, son­dern auch ihr unge­bo­re­nes Kind schüt­zen. Erscheint eine Per­son “suspekt”, dann lau­fen sie einen gro­ßen Bogen um die­se Per­son her­um. Hier ist der Fil­ter noch genau­er und stren­ger, als bei ande­ren. Wir Kate­go­ri­sie­ren in die­ser Distanz­zo­ne zwar die Men­schen um uns her­um, aber wir neh­men die­se nicht bewusst wahr.

12 Meter Zone (>12 Meter)

Die 12 Meter Zone musst Du nicht ken­nen. Sie hat auch nichts mit dem Erfor­scher der ande­ren Distanz­zo­nen Edward T. Hall zu tun. Die­se Zone ken­ne ich aus der Arbeit mit Ermitt­lungs­be­am­ten. Bei Obser­va­tio­nen und Ver­fol­gun­gen hal­ten Detek­ti­ve und Ermitt­lungs­be­am­te im bes­ten Fall mehr als 12 Meter Abstand. War­um? Das hat mit unse­rer Wahr­neh­mung zu tun. Ab die­sen 12 Metern neh­men wir nichts mehr wahr. Es ist in der Wahr­neh­mung sozu­sa­gen der Blin­de Fleck.

Darf ich näher kom­men? – Distanz­zo­ne nicht nur beim flir­ten

Nicht nur beim Dating stellt man(n) sich oft die Fra­ge: Darf ich näher kom­men? Du bekommst nun, wie oben ver­spro­chen, den ulti­ma­ti­ven Tipp von mir wie Du das her­aus­fin­den kannst. Die Vor­aus­set­zung ist, dass ihr bei­de steht. Du sprichst nun mit Dei­nem Gesprächs­part­ner oder der Gesprächs­part­ne­rin und machst einen KLEINEN Schritt auf die Per­son zu. Bleibt Dein Gesprächs­part­ner ste­hen, dann ist die Nähe völ­lig ok. Macht der Gesprächs­part­ner einen Schritt zurück, dann braucht er noch etwas Zeit.

Der Pro­fi-Tipp

Jetzt ver­ra­te ich Dir den ulti­ma­ti­ven Pro­fi-Tipp wie Du her­aus­fin­dest, ob es zwi­schen euch bei­den gefunkt hat bzw. ob ihr auf einer Wel­len­län­ge seid. Du machst wie oben einen KLEINEN Schritt auf die Per­son zu. Bleibt die Per­son ste­hen, dann war­test Du einen Augen­blick. Du gehst nun einen Schritt zurück. Folgt Dir Dein Gesprächs­part­ner oder Dei­ne Gesprächs­part­ne­rin, dann hast Du sehr gute Kar­ten 😉

Ist die Ver­let­zung der Distanz­zo­ne bös­wil­lig?

Ist eine Per­son sehr Domi­nant, dann ist die Ver­let­zung der Distanz­zo­ne gewollt. Es soll Stär­ke und Macht demons­trie­ren. Doch in der Regel ist es Unsi­cher­heit. Vie­le wis­sen nicht, ob es ok ist näher zu kom­men. Es pas­siert mehr oder weni­ger aus Ver­se­hen. Du kennst ja nun den Trick, wie Du es her­aus­fin­den kannst. Dann trittst zumin­dest Du nicht mehr in die­ses Fett­näpf­chen.

Vie­le Men­schen haben aber auch kein Gefühl für Distanz. Gera­de extro­ver­tier­te Men­schen nei­gen dazu, ande­re Men­schen zu berüh­ren. Das kann für intro­ver­tier­te sehr unan­ge­nehm wer­den. Per­so­nen die Anfangs sym­pa­thisch gewirkt haben, kön­nen nun auch unsym­pa­thisch wir­ken.

Wie gehe ich mit der Ver­let­zung mei­ner Distanz­zo­nen um?

Die­se Fra­ge ist ein­fach, wie auch schwie­rig zugleich. In jedem Fal­le ist es völ­lig legi­tim die Per­son anzu­spre­chen. Immer­hin löst die­se Per­son damit bei dir nega­ti­ve Gefüh­le aus. Dir bleibt aber auch immer die Mög­lich­keit, Dei­ne Kör­per­spra­che ein­zu­set­zen, um Distanz auf­zu­bau­en. Hier fin­dest Du eine Rei­he Kör­per­spra­che Signa­le, die Dir hel­fen kön­nen.

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